nachwachsend, CO2-neutral, recyclingfähig

Holzbau ist momentan der stärkste wachsende Bereich der Baubranche. Im Jahr 2020 legte er um 13,6% zu. Doch was bedeutet das für die Baupraxis?

Die Bauwirtschaft ist in Europa für rund 40 Prozent des Material- und Energieverbrauchs verantwortlich. Allein Beton verursacht weltweit 8 Prozent des CO2-Ausstoßes. Im Ergebnis entstehen immer mehr Vorzeigeprojekte, die den Betonanteil der Gebäude deutlich reduzieren wollen. Mehrgeschossige Wohn- und Bürogebäude aus Holz machen somit immer mehr auf sich aufmerksam.

Vorteile der Holzbauweise:

Die Vorteile der Holzarchitektur sind schnell aufgezählt:

  1. Holz ist klimafreundlich
  2. Holz ist leicht
  3. Holz ist flexibel einsetzbar
  4. Holz wirkt ausgleichend auf Raumfeuchtigkeit
  5. Holz wirkt ausgleichend auf Temperaturschwankungen
  6. Holz bietet sich für Aufstockungen, aufgrund des geringen Gewichts an und ermöglicht somit eine effektive Nachverdichtung und Umnutzung
  7. Holz(baustoffe) lassen sich nach dem Rückbau unkompliziert weiternutzen. (= Aus ökologischer Sicht ein immenser Vorteil gegenüber konventionellen Stahlbetonbauten.)
  8. Holz(bauweise) kann durch den hohen Vorfertigungsgrad von Bauelementen und die weitgehend trockene Bauweise die Bauzeiten deutlich verkürzen
  9. Holz(bauweise) führt zu deutlich weniger Mängeln und geringere Haftungsrisiken als konventionelle Bauweisen

Im Ergebnis führt die Holzbauweise zu mehr Nachhaltigkeit und somit bei den immer wichtiger werdenden ESG – Kriterien, auch zu einem besseren Rating bei der Finanzierung von Banken.

Nachteile der Holzbauweise:

Leider sind die Nachteile der Holzbauweise genauso schnell aufgezählt:

  1. In der Baupraxis fehlt es noch an Wissen über den Rohstoff, insbesondere bei Planern, aber auch bei Bauherren und Behörden.
  2. Im Resultat verzögern sich die Genehmigungsverfahren, da die Landesbauordnungen den aktuellen Stand der Technik noch nicht abbilden.
  3. In der Folge erhöht sich für Architekten, aufgrund der fehlenden Genehmigungsvorgaben, der Planungsaufwand.
  4. Zusätzlich erfordert der hohe Vorfertigungsgrad deutlich früher als bei der konventionellen Massivbauweise eine detaillierte Planungsschärfe. Bedeutet: Die Planung muss bereits im   Entwurfsprozess die Fertigung, Transport und Montage berücksichtigen.
  5. Holz(konstruktionen) haben grundsätzlich eine hohe Standfestigkeit und Tragfähigkeit bei Bränden. Die Brandschutzvorschriften sind jedoch aktuell bei höheren Gebäuden (noch) sehr hoch und komplex, weshalb (noch) Holz-Hybrid-Bauten erforderlich sind.
  6. Ein weiteres Problem ist die höhere Komplexität aufgrund der hybriden Bauweise! Denn Brandschutz, Schallschutz, Feuchte- und Wärmeschutz sind immer von Rohbau- und Ausbauelementen gemeinsam zu leisten. Bauteilzulassungen sind in vielen Fällen noch nicht vorhanden und Zulassungen im Einzelfall (noch) schwer zu bekommen (siehe hierzu Pkt. 1 – 3)
  7. Der innere Schallschutz stellt zusätzlich ein Problem dar! Hier ist es wichtig, die Möglichkeiten und Grenzen des erreichbaren Schallschutzes (aktueller) Lösungen zu kennen.

Im Ergebnis steigen die Anforderungen in den frühen Leistungsphasen der Planung und damit die Honorarkosten für die Planung.

Schlussfolgerungen:

Grundsätzlich ist eine neue Projektorganisation und ein neues Grundverständnis beim Bauen mit Holz erforderlich.

Wie oben beschrieben führt die übliche Trennung von Planung und Ausführung im konventionellen Bauen dazu, dass die wichtigen Kriterien im Holzbauprozess zu spät in den Planungsprozess eingebunden werden. Umplanungen im Bauprozess werden erforderlich. Der Aufwand, die Projektdauer und im Ergebnis die Kosten steigen.

Zwei Lösungsansätze:

Ansatz 1:
Deutsche Architektur- und Ingenieurbüros bauen sich selbst ein Know How auf, ähnlich dem Niveau der Architektur- und Ingenieurbüros aus der Schweiz.
Dies ist (aktuell) in Deutschland allerdings noch unrealistisch, auch da das Berufsbild des Holzbauingenieurs hier nicht existiert.

Ansatz 2:
Die (aktuell) pragmatischere Möglichkeit ist eine angepasste Projektorganisation.

Im Gegensatz zu den Planungsbüros ist in Deutschland im Bereich der Holzbaugewerke eine ausreichende Kompetenz bereits vorhanden. Die Vergabe des Holzbaus sollte somit schon im frühen Planungsstadium erfolgen. Im Ergebnis können die ausführenden Firmen ihre Expertise rechtzeitig einbringen. Spätere Umplanungen lassen sich so reduzieren.

Ein weiterer Vorteil bei frühzeitiger Einbindung ist die Entwicklung optimaler Lösungen im Vergabewettbewerb und somit eine Reduzierung der Kosten.

Zusätzlich wird empfohlen einen externen Berater mit Holzbaukompetenz als Second Opinion mit einzubinden.

Eine (ganzheitliche) Aufgabe bleibt.

Was passiert, wenn tatsächlich die deutsche Bauwirtschaft die Vorteile des Bauens mit Holz erkennt und gleichzeitig die Nachteile in den Griff bekommt?
Lässt sich dann mit nachhaltiger Forstwirtschaft überhaupt der steigende Bedarf an Holz decken?
Die Lösung führt langfristig nur über eine kreislauffähige Bauwirtschaft. Die neuen Holzbaubauwerke müssen als Material-Reserve dienen und bereits heute in dieser Form konzipiert werden. Die Grundeigenschaften der Holzbaustoffe lassen hierzu bereits heute alle Möglichkeiten.

 

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